Porsche 912: Elektro- statt Boxermotor

Während Automobilhersteller Porsche nur zögerlich über alternative Antriebsvarianten nachdenkt, sind zwei Freunde aus Nordrhein-Westfalen schon einen Schritt weiter. Vor neun Jahren haben sie einen Porsche 912 mit einem Elektromotor ausgestattet. Das Elektroauto der gehobenen Klasse rollt noch immer über unsere Strassen.

Porschebesitzer werden da wahrscheinlich nur den Kopf schütteln. Einen echten Klassiker mit einem Elektromotor umrüsten. Vielleicht fallen ihnen Worte wie Stilbruch, Blasphemie oder Sakrileg ein. Dabei setzen Jens Broedersdorff (48) und Uwe Koenzen (47) mit ihrem Öko-Porsche nur das um, was Firmen-Gründer Ferdinand Porsche ursprünglich im Sinn hatte.

Schon Automobilpionier Porsche experimentierte mit Elektromotoren

Auch er experimentierte Ende des 19. Jahrhunderts mit Elektromotoren. Leise, sauber und schnell – mit diesen Attributen wolle Porsche punkten. Was ihm eigentlich auch gelang. Immerhin entlockte der Automobilpionier seinem Lohner-Porsche damals schon beachtliche 105,8 km/h und überschritt damit die magische Grenze von 100 km/h. In der Folgezeit ging die Automobilindustrie andere Wege, der Elektromotor setzte sich nicht durch.

Flotter Flitzer trotz Elektromotor

Er galt als zu langsam, langweilig, einfach nicht zukunftsträchtig. Porsche-Tüftler Broedersdorf und Koenzen sind da anderer Meinung. Ihr 912er schafft 160 km/h, kann fast lautlos dahin gleiten, beim Gasgeben aber auch eine Gummispur auf den Asphalt radieren. Langweilig hört sich das nicht an. 88 PS schafft der Elektromotor des Neunzwölfers. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h rollt der Batterie-Flitzer rund 90 Kilometer.

Schwere Akkus behindern noch höhere Reichweite

Sind die Akkus alle, können sie für umgerechnet vier Euro an der Steckdose aufgetankt werden. Blei-Wickelbatterien versorgen den umgebauten Porsche mit Energie. Sehr zum Leidwesen der beiden Autonarren sind sie mit 400 Kilogramm allerdings immer noch viel zu schwer. Zwar hat sich das Gewicht der Akkus in den letzten Jahren kontinuierlich verringert, mit leichteren Aggregaten könnte die Reichweite nochmals vergrößert werden.

Deshalb sind die beiden Bastler auch ständig auf der Suche nach weiteren Verbesserungen an ihrem Porsche. Denn er ist der Beweis, dass Fahrspaß und Umweltschutz einander nicht ausschliessen.

Was halten Sie vom Öko-Porsche? Eine geniale Idee oder doch eher Mißbrauch eines Klassikers oder ist es erst der Anfang, wird es bald einen Porsche mit Gasantrieb geben? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!!

3 Comments

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  1. Ich halte seht viel davon. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass schon wesentlich fortschrittlichere Batterietechnologien verfügbar sind. Beispielsweise Li-Ionen-Technologie (vgl. Tesla Roadster, USA) oder die u.a. von Daimler Benz mitentwickelte und zwischenzeitlich an die schweizer Fa. MES-DEA, Stabio, verkaufte ZEBRA-Technologie. Ich fahre seit mehr als einem Jahr (fast 15000km) einen ZEBRA-Twingo der Fa. MES-DEA mit ca. 50PS, 120km/h Höchstgeschwindigkeit und 120km Reichweite. Motor und Batterie sind wartungsfrei. Die Stromkosten betragen weniger als €3,-/100km. Leider werden solche hervorragend alltagstauglichen Elektrofahrzeuge von den klassischen Autoherstellern und der Politik noch immer massiv behindert und die Öffentlichkeit wird von der Fachpresse hinters Licht geführt. Echte ungefilterte Information ist bspw. erhältlich über http://www.eaaev.org, http://www.eaa-deutschland.org oder das bei Amazon erhältliche Video „Who killed the electric car?“.

    Olaf Ungerer (Patentanwalt und EV-Fan!)

  2. Leider werden uns Elektrofahrzeuge immer noch vorenthalten. Hut ab vor jedem Pionier, welcher so ein Umbauprojekt vollendet. Nahezu jedes Fahrzeug kann umgebaut werden. Doch Automobilindustrie, Politik und Ölmultis zögern die Einführung einer Grosserie gewollt hinaus. Dazu zwei Beispiele aus Deutschland. Die 1. A Klasse wurde ursprünglich als batterieelektrisches Fahrzeug entwickelt und war vor über 10 Jahren schon serienreif! Einfach den Verbrennungsmotor mit Anhang raus, die Komponenten der alten A Klasse Elektro rein, Fahrwerk neu abstimmen und fertig ist ein Fahrzeug mit einer Reichweite von 200km. Wohlgemerkt noch mit der alten ZEBRA – Batterietechnik!
    Die erste A Klasse wurde mit Kosten von 300 Millionen zum Fahrzeug mit Verbrennungsmotor umgerüstet. Das ist die traurige Wahrheit über die 1. A Klasse!
    Der Grund war übrigens ein auf Druck der Ölmultis und Fahrzeughersteller gelockertes Umweltgesetz in Kalifornien.
    Den Rest kennen alle(hoher Schwerpunkt, Elchtest, ESP). Die ursprüngliche A Klasse hatte durch den niedrigeren Schwerpunkt (Batterien im Sandwichboden) kein ESP nötig!! Fast alle Unterlagen über den batterieelektrischen Antrieb der 1. A Klasse sind inzwischen aus den Servern verschwunden.
    Auch der Smart war ursprünglich auch als Elektroauto geplant und hatte beim Elchtest die gleichen Probleme wie die A Klasse. Auch diese Probleme kamen durch den Umbau.
    Im Grunde genommen könnten beide Fahrzeuge seit etwa 10 Jahren in Grosserie vom Band laufen. Man hat sie uns einfach vorenthalten.
    Jeder hier weiß, dass jedes zugelassene Elektrofahrzeug den Schmerz an der Zapfsäule mildert. Den Beweis, dass Elektrofahrzeuge durchaus schon vor Jahren begehrt
    waren liefert auch der Film „Who killed the Electric car“. Schade um die vergeudete Zeit.

  3. Ja ! Meiner Meinung nach schlichtweg ein Mißbrauch eines Klassikers. Was auch immer Firmen-Gründer Ferdinand Porsche einst im Sinn hatte, einen Porsche 912 mit Elektro- statt Boxermotor ist kein Porsche 912 mehr.
    Und dann noch mit einer Batterietechnologie die nicht auf dem neuesten Stand ist.

    Klar, die Erdölvorräte gehen zur Neige und neue
    Antriebstechnologien wie der Elektromotor müssen her.
    Doch bedeutet das ende des Ölzeitalter auch das Todesurteil des Verbrennungsmotors ?
    Mit Treibstoff-Alternativen wie Gas, Biosprit (der 2. Generation), und gar Wasserstoff (emissionsfrei)könnten
    Verbrennungsmotoren auch nach dem Ölzeitalter weiter dienen. Denn es ist fraglich ob erzeugung von elektrizität für eine totale Elektrifizierung des Straßenverkehrs möglich ist.

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