Rennwagenbau statt Tuning: In der Werkstatt vom HTW Motorsport-Team

Leichte Veränderungen am Auto kann jeder vornehmen, aber gleich ein ganzes Auto selber bauen? Das traut sich kaum jemand zu – das Berliner HTW-Motorsport Team schon. Mit dem selbst entwickelten Rennwagen BRC12 tritt es in der Formula Student an.

Die Einladung vom HTW Motorsport-Team ihre Werkstatt ließen wir uns verständlicherweise nicht entgehen. Hier passiert das, wovon gewöhnliche Schrauber nur träumen: Das rund 35 Personen starke Team stellt einen kompletten Rennwagen auf die Hoosier-Slicks. Wer jetzt kommt mit „Kunststück, die müssen ja auch nicht zum TÜV“ ist schief gewickelt – die Renner in der Formula Student werden nach strengem Reglement aufgebaut und vor dem Rennen bei scharfer Prüfung einzeln abgenommen. Wir sprachen mit Jana, 2. Semester Wirtschaftskommunikation und Dominik, 4. Semester Fahrzeugtechnik.

Wow – das ist mal ein ansehnlicher Gitterrohrrahmen. Alles selbst gemacht?
Jana: Wir haben die Rohre bei dem uns unterstützenden Unternehmen Schuwatec per Laser schneiden lassen. Zusammengeschweißt haben ihn unsere Jungs hier in der Werkstatt.
Dominik: Von einem Spezialisten haben wir einen extrem hochwertigen Stahl bekommen, da können die Rohre wie auch der integrierte Überrollbügel wesentlich dünner ausfallen, als man es sonst aus vielen Pkw kennt. Viele Freiheiten hatten wir beim Rahmenbau indes nicht, das Reglement bestimmt zu rund 70% sein Aussehen.

Wie ist der Antriebsstrang des BRC12 aufgebaut? Was sorgt hier für Vortrieb?
Dominik: Wir vertrauen da auf den knapp 600 Kubik großen Yamaha R6-Motor, mehr gibt das Reglement nicht her. Im BRC12 hängt er in einem Aluminium-Hilfsrahmen hinter dem Fahrer, mit Ausnahme der deaktivierten Abgasrückführung, dem 20-Millimeter-Air-Restrictor und der in unserer Werkstatt entstandenen Ölwanne ist das Triebwerk serienmäßig. Damit kommen wir auf etwa 80 bis 90 PS.
Jana: Die Kraftübertragung an die einzeln aufgehängten Hinterräder übernimmt das Seriengetriebe, das unsere Mechaniker im HTW Motorsport-Team ein wenig überarbeitet haben. Mithilfe eines Aktuators und eines Stellmotors werden das Kuppeln und der Gangwechsel realisiert. Die Schaltbefehle werden Formel 1-mäßig über Schaltwippen gegeben. Die dafür notwendige Steuereinheit wurde von unseren Elektrotechnikern selbst entwickelt.

Was sind die Stärken des BRC12?
Jana: In jedem Fall die Aerodynamik und die Gestaltung der Carbon-Hülle. Das Verkleidungsmodul vom HTW-Motorsport-Team ist gerade damit beschäftigt, die Negativformen aus Polystyrolblöcken herzustellen. Die Laminierung mit den Kohlefasermatten wird dann auch hier stattfinden.
Dominik: Ein weiterer Vorteil ist das Gewicht von ungefähr 240 Kilogramm. Dazu sparen wir jedes Gramm ein, so nutzen wir hinten lediglich Mountainbike-Scheibenbremsen, das reicht völlig aus. Die vorderen Radträger, die aus einem Aluminiumblock gefräst wurden, erhielten für diese Saison noch zahlreiche Erleichterungsmaßnahmen. Auch hier wurde die Programmierung und Fertigung an der CNC-Fräse von einem Teammitglied übernommen.

Wie sehen die weiteren Planungen für die nächste Saison aus?
Dominik: Wir planen einen neuen, modularen Aufbau, um mit nur einem Rahmen sowohl einen Verbrennungsmotor wie auch einen Elektromotor fahren zu können. In Sachen Aerodynamik bringen wir ein maßstabsgetreues Modell in einen Windkanal. Zudem werden wir sicherlich spezielle Front und Heckspoiler verbauen, da geht der Trend in der Formula Student ganz klar hin.
Jana: Zudem wollen wir im Bereich der Datenerfassung mit modernster Sensortechnik deutlich zulegen, um anschließend entsprechende Rückschlüsse z.B. im Bereich Fahrwerkseinstellungen schließen zu können.

Unternehmen, die ihren Namen oder ihr Logo gern auf der Carbonhaut sehen würden, dürfen sich gerne unter dieser Adresse melden!